Mit der Anbindung von Traders Place erweitert stock3 seine Multi-Brokerage-Plattform. Zugleich gewinnen Schnittstellen und Softwarelösungen für Geschäftskunden an Bedeutung.
Die stock3 AG baut ihr Geschäft rund um Börseninformation, Analyse und digitalen Wertpapierhandel weiter aus. Seit dem 14. September 2026 können auch Kunden des Online-Brokers Traders Place ihr Depot mit stock3 verbinden und direkt über die Plattform handeln. Damit steigt die Zahl der auf stock3 angebundenen Broker auf 17.
Für das Münchner Finanztechnologie-Unternehmen ist die Kooperation mehr als eine Erweiterung der Broker-Auswahl. Sie zeigt, in welche Richtung sich das Geschäftsmodell entwickelt: stock3 will nicht nur Finanzinformationen und Analysewerkzeuge anbieten, sondern zunehmend auch die technische Infrastruktur bereitstellen, über die Anleger, Broker und andere Finanzdienstleister miteinander verbunden werden.
Traders Place wird der 17. angebundene Broker
Die technische Integration von Traders Place erfolgt über die brokerize GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von stock3. Ihre Infrastruktur stellt standardisierte Schnittstellen für den Wertpapierhandel sowie sogenannte Read-Only-Dienste bereit. Damit können etwa Depotbestände und Transaktionshistorien abgerufen werden.
Traders Place bietet seinen Kunden Zugang zu mehr als 40 nationalen und internationalen Handelsplätzen. Über die Verbindung mit stock3 können Nutzer das bestehende Depot nun mit den Analyse- und Informationsangeboten der Plattform kombinieren und Orders aus dieser Umgebung heraus erteilen.
Für stock3 ist dieser Ansatz strategisch interessant. Anleger müssen nicht zwingend zu einem bestimmten Broker wechseln, um die Plattform für den Handel zu nutzen. Stattdessen versucht das Unternehmen, möglichst viele bestehende Depotanbieter in eine gemeinsame technische Umgebung einzubinden.
Das unterscheidet das Modell von klassischen Online-Brokern, bei denen Depotführung, Handelsoberfläche und Orderausführung in der Regel eng miteinander verbunden sind.
Mehr Transaktionen laufen über die brokerize-Schnittstelle
Die Bedeutung dieses Geschäftsbereichs lässt sich an den Transaktionszahlen ablesen. Im zweiten Quartal 2026 wurden über die Schnittstellen von brokerize 620.694 Trades ausgeführt. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal entspricht das einem Anstieg um elf Prozent.
Im gesamten ersten Halbjahr 2026 waren es knapp 1,36 Millionen Trades. Ein Jahr zuvor hatte der Wert bei rund 1,12 Millionen gelegen. Damit nahm die Zahl der ausgeführten Transaktionen um 21 Prozent zu.
Bereits 2025 hatte brokerize rund 2,3 Millionen ausgeführte Orders registriert, 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders stark war anschließend das erste Quartal 2026 mit 738.125 Trades. Der März wurde mit 269.548 Orders zum bis dahin stärksten Handelsmonat in der Unternehmensgeschichte.
Die Tradezahlen sind jedoch nicht mit Umsatz oder Gewinn gleichzusetzen. Sie zeigen zunächst, wie intensiv die Infrastruktur genutzt wird. Welche wirtschaftlichen Erträge daraus entstehen, hängt unter anderem von den jeweiligen Kooperations- und Vergütungsmodellen mit Banken, Brokern und anderen Partnern ab.
stock3 erweitert das Geschäft über die eigene Plattform hinaus
Neben dem Geschäft mit Privatanlegern gewinnt das B2B-Angebot an Gewicht. brokerize stellt seine Technologie nicht nur innerhalb von stock3 bereit, sondern bietet Schnittstellen und Trading-Infrastruktur auch externen Unternehmen an.
Im März 2026 wurden beispielsweise Kooperationen mit dem digitalen Vermögensverwalter FELS wealth sowie mit dem auf Quellensteuer und Portfolio-Tracking spezialisierten Anbieter Divizend bekannt. Dabei steht nicht zwingend die Orderausführung im Mittelpunkt. Über standardisierte Schnittstellen können auch Depot- und Transaktionsdaten in andere Anwendungen eingebunden werden.
Damit bewegt sich brokerize im Bereich des sogenannten Embedded Finance. Gemeint ist die Integration von Finanzfunktionen in Software und Plattformen, deren Kernprodukt nicht unbedingt ein klassisches Wertpapierdepot sein muss.
Für stock3 kann daraus ein zweiter Skalierungseffekt entstehen. Die vorhandene technische Infrastruktur wird nicht nur für die eigene Plattform genutzt, sondern zusätzlich externen Partnern zur Verfügung gestellt.
Lizenzgeschäft soll zusätzliche Einnahmequelle schaffen
Auch bei der eigentlichen stock3-Software plant das Unternehmen eine stärkere Vermarktung an Geschäftskunden. Neben Abonnements, B2B- und Werbepartnerschaften sowie der brokerize-Infrastruktur sollen lizenzbasierte Softwarelösungen ein weiteres Standbein bilden.
Im Mittelpunkt steht dabei das stock3 Terminal, eine professionelle Analyse- und Trading-Oberfläche. Nach Angaben des Unternehmens soll die Technologie künftig auch im Rahmen von Lizenzmodellen für Geschäftskunden eingesetzt werden. Ein erstes Partnerprojekt befindet sich bereits in Umsetzung.
Wirtschaftlich interessant sind solche Modelle vor allem deshalb, weil Software nicht für jeden Kunden vollständig neu entwickelt werden muss. Gelingt es, eine vorhandene Plattform mehrfach zu lizenzieren, können zusätzliche Erlöse entstehen, ohne dass die Kosten im gleichen Verhältnis steigen müssen.
Ob sich dieser Effekt bei stock3 in größerem Umfang einstellt, bleibt allerdings abzuwarten. Entscheidend wird sein, wie viele Banken, Broker, Medienhäuser oder andere Finanzunternehmen solche Lösungen tatsächlich einsetzen.
Profitabilität ist 2025 deutlich gestiegen
Bei den Geschäftszahlen hat stock3 zuletzt vor allem auf der Ergebnisseite Fortschritte erzielt. Der Konzernumsatz erhöhte sich 2025 um vier Prozent von 13,3 auf 13,8 Millionen Euro.
Das EBITDA stieg wesentlich stärker, von rund 0,9 Millionen auf 1,86 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge erreichte damit 13,4 Prozent. Unter dem Strich verbuchte der Konzern einen Jahresüberschuss von 1,0 Millionen Euro nach rund 0,2 Millionen Euro im Vorjahr.
Für 2026 erwartet der Vorstand nach bisheriger Prognose einen Umsatz zwischen 13,9 und 14,4 Millionen Euro. Beim EBITDA werden 2,2 bis 2,7 Millionen Euro angepeilt.
Damit setzt die Unternehmensplanung weniger auf sprunghaft steigende Erlöse als auf eine weitere Verbesserung der Profitabilität. Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt unter anderem von der Entwicklung der Abonnements, der Handelsaktivität, neuen Kooperationen und dem Aufbau des Lizenzgeschäfts ab.
Hintergrund
Die Wurzeln der stock3 AG reichen bis ins Jahr 2000 zurück. Das Unternehmen wurde zunächst als BörseGo gegründet und betrieb unter anderem das Finanzportal GodmodeTrader. 2012 kam die Analyseplattform Guidants hinzu, über die später auch eine Multi-Brokerage-Funktion angeboten wurde.
Im März 2022 erfolgte der Börsengang im Freiverkehr der Börse München. Im August desselben Jahres wurde die BörseGo AG in stock3 AG umbenannt. Im September 2022 wechselte die Aktie in das Mittelstandssegment m:access der Börse München. Kurz darauf wurden GodmodeTrader und Guidants im Zuge einer Einmarkenstrategie auf der Plattform stock3 zusammengeführt.
Heute umfasst das Angebot neben stock3.com unter anderem das stock3 Terminal, eine App, redaktionelle Finanzinformationen, Markt- und Fundamentaldaten sowie Funktionen für Chartanalyse und Wertpapierhandel.
Die Herausforderung liegt in einem Markt, in dem Broker, Finanzportale und internationale Analyseplattformen um dieselben aktiven Anleger konkurrieren. Für stock3 dürfte deshalb zunehmend entscheidend werden, nicht allein Reichweite aufzubauen, sondern die eigene Technologie wirtschaftlich breiter zu nutzen.
Die Anbindung von Traders Place ist vor diesem Hintergrund ein weiterer Baustein. Sie erweitert unmittelbar die Auswahl für Nutzer. Strategisch bedeutsamer könnte langfristig jedoch die Frage sein, ob stock3 seine Schnittstellen und Software erfolgreich als Infrastruktur für andere Finanzunternehmen etablieren kann.

