Der Ölpreis hat am 25. August deutlich nachgegeben.
- Öl war zuvor deutlich teurer
- Der Rohölpreis ist nur ein Teil des Problems
- Raffineriemargen sind deshalb wichtig
- Der Persische Golf bleibt ein geopolitisches Risiko
- Warum die EZB trotzdem hinschauen muss
- Der indirekte Effekt ist entscheidend
- Zweitrundeneffekte machen Inflation hartnäckig
- Warum die EZB bereits im Juni reagierte
- Wirtschaft hält sich bislang robust
- Was Verbraucher beobachten sollten
- Was für die September-Sitzung zählt
Brent-Rohöl fiel zeitweise auf rund 89 Dollar je Barrel, nachdem der Preis wenige Tage zuvor noch in Richtung 95 Dollar gestiegen war.
Für Verbraucher und Unternehmen ist das zunächst eine Entlastung.
Für die Europäische Zentralbank bedeutet ein einzelner Preisrückgang jedoch noch keine Entwarnung.
Der Konflikt mit Iran hat die Energieversorgung verändert. Besonders wichtig sind Raffineriekapazitäten, Transportwege und die Frage, wie lange die erhöhten Energiepreise anhalten.
Öl war zuvor deutlich teurer
Noch wenige Tage zuvor notierte Brent bei mehr als 92 Dollar und näherte sich zeitweise 95 Dollar.
Damit lagen die Preise deutlich über den Niveaus vor der Eskalation des Nahostkonflikts.
Infobox: Warum der Ölpreis so stark schwankt
Geopolitik: Konflikt mit Iran
Transport: Risiken rund um den Persischen Golf
Raffinerien: begrenzte Verarbeitungskapazitäten
Nachfrage: unter anderem schwächere chinesische Nachfrage
Reserven: Freigabe strategischer Bestände dämpft Preise
Der Rohölpreis ist nur ein Teil des Problems
Für Verbraucher zählt letztlich nicht der Brent-Preis, sondern der Preis von Benzin, Diesel oder Heizöl.
Zwischen beiden liegen mehrere Produktionsstufen.
Rohöl muss transportiert und raffiniert werden.
Fallen Raffinerien aus oder sind Verarbeitungskapazitäten knapp, können fertige Kraftstoffe teuer bleiben, obwohl Rohöl bereits günstiger wird.
Raffineriemargen sind deshalb wichtig
Die Differenz zwischen dem Preis von Rohöl und den Preisen der daraus hergestellten Produkte wird unter anderem durch Raffineriemargen bestimmt.
Sind Benzin oder Diesel knapp, können diese Margen steigen.
Dann kommt ein sinkender Ölpreis nur teilweise beim Verbraucher an.
Der Persische Golf bleibt ein geopolitisches Risiko
Ein großer Teil der internationalen Ölversorgung ist von Transportwegen im Nahen Osten abhängig.
Jede zusätzliche Eskalation kann neue Risikoprämien auslösen.
Händler reagieren nicht erst auf einen tatsächlichen Lieferausfall.
Schon die Wahrscheinlichkeit einer Störung kann Preise bewegen.
Warum die EZB trotzdem hinschauen muss
Für die EZB ist entscheidend, wie lange die höheren Energiekosten bestehen bleiben.
Ein Ölpreisanstieg von wenigen Tagen ist geldpolitisch wenig bedeutend.
Bleiben Energiepreise über Monate erhöht, verändert sich die Lage.
Unternehmen bezahlen mehr für Transport und Produktion.
Diese Kosten können an Kunden weitergegeben werden.
Der indirekte Effekt ist entscheidend
Ein Logistikunternehmen muss mehr für Diesel bezahlen.
Der Lebensmittelhersteller zahlt dadurch höhere Transportkosten.
Der Einzelhändler zahlt mehr für die Belieferung.
Am Ende kann der Verbraucher höhere Lebensmittelpreise sehen, obwohl er selbst kein Öl kauft.
Dieser Übertragungsmechanismus ist für die Notenbank wichtiger als ein einzelner Ölpreis.
Zweitrundeneffekte machen Inflation hartnäckig
Noch problematischer wird es, wenn Beschäftigte wegen höherer Lebenshaltungskosten höhere Löhne verlangen.
Steigen die Personalkosten der Unternehmen, können weitere Preiserhöhungen folgen.
Eine solche Entwicklung muss nicht zwangsläufig eintreten.
Die EZB will aber verhindern, dass sich hohe Inflationserwartungen verfestigen.
Warum die EZB bereits im Juni reagierte
Die EZB erhöhte ihre Leitzinsen im Juni ausdrücklich wegen des zusätzlichen Inflationsdrucks aus dem Nahostkonflikt.
Im Juli legte sie eine Pause ein.
Sie erklärte jedoch gleichzeitig, die Dauer und Intensität des Energiepreisschocks genau beobachten zu wollen.
Wirtschaft hält sich bislang robust
Gegen weitere Zinserhöhungen würde eine starke Rezession sprechen.
Bislang zeigt sich die Wirtschaft des Euroraums allerdings vergleichsweise stabil.
Dadurch besitzt die EZB mehr Spielraum, auf Inflationsrisiken zu reagieren.
Was Verbraucher beobachten sollten
Für Haushalte sind vor allem Tankstellenpreise, Gaspreise und spätere Auswirkungen auf andere Güter relevant.
Der Brent-Preis allein reicht nicht als Indikator.
Auch Wechselkurse spielen eine Rolle.
Ein stärkerer Euro kann in Dollar gehandelte Energie für europäische Käufer etwas verbilligen.
Was für die September-Sitzung zählt
Die EZB dürfte vor allem die August-Inflation, Energiepreise, Kerninflation und Löhne analysieren.
Einordnung
Der Rückgang von Brent unter 90 Dollar ist eine Entspannung.
Er beendet die Inflationsgefahr jedoch nicht.
Entscheidend ist nicht, ob Öl an einem einzelnen Handelstag drei Prozent billiger wird.
Entscheidend ist, wie lange der gesamte Energiepreisschock anhält und wie stark er andere Preise erreicht.

