Der Zugang zu Bankkrediten hat sich für deutsche Mittelständler deutlich verschlechtert.
- Was die 40,5 Prozent wirklich bedeuten
- Warum Banken vorsichtiger werden
- Kreditrisiko wird über den Zinssatz eingepreist
- Warum der EZB-Zins allein wenig erklärt
- Beispiel: Eine Maschine wird plötzlich schwer finanzierbar
- Einzelhandel besonders stark unter Druck
- Auch Großunternehmen spüren strengere Banken
- Gleichzeitig sinkt die Kreditnachfrage
- Warum das für Investitionen wichtig ist
- Was als Nächstes entscheidend ist
Im zweiten Quartal 2026 berichteten 40,5 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen, die tatsächlich Kreditverhandlungen geführt hatten, von einem restriktiven Verhalten ihrer Banken.
Das ist der höchste Wert seit Beginn der aktuellen KfW-ifo-Erhebung im Jahr 2017.
Gegenüber dem ersten Quartal stieg die Kredithürde um 6,5 Prozentpunkte.
Was die 40,5 Prozent wirklich bedeuten
Die Zahl darf nicht falsch interpretiert werden.
Sie bedeutet nicht, dass 40,5 Prozent aller deutschen Mittelständler keinen Kredit erhalten haben.
Die KfW betrachtet Unternehmen, die in den vorhergehenden Monaten tatsächlich Kreditverhandlungen geführt haben.
Von diesen Unternehmen empfanden 40,5 Prozent die Banken als restriktiv.
„Restriktiv“ kann unterschiedliche Dinge bedeuten.
Eine Bank kann einen Kredit vollständig ablehnen.
Sie kann einen höheren Zinssatz verlangen.
Sie kann mehr Sicherheiten fordern oder die gewünschte Kreditsumme reduzieren.
Infobox: KfW-ifo-Kredithürde Q2 2026
Mittelstand: 40,5 Prozent
Veränderung zum Vorquartal: +6,5 Prozentpunkte
Großunternehmen: 32,9 Prozent
Verarbeitendes Gewerbe Mittelstand: 40,8 Prozent
Dienstleistungen Mittelstand: 42,4 Prozent
Erhebungsbeginn: 2017
Warum Banken vorsichtiger werden
Der wichtigste Grund liegt in der Bonität der Unternehmen.
Mehrere wirtschaftlich schwierige Jahre hinterlassen Spuren in den Bilanzen.
Sinken Gewinne, werden Rücklagen aufgezehrt.
Die Eigenkapitalquote kann sich verschlechtern.
Auch das Verhältnis von Schulden zu Ertrag verändert sich.
Aus Sicht einer Bank steigt damit die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls.
Kreditrisiko wird über den Zinssatz eingepreist
Banken reagieren auf höhere Risiken nicht nur mit Ablehnungen.
Oft wird ein Kredit schlicht teurer.
Vereinfacht enthält der Zinssatz eines Unternehmenskredits mehrere Bestandteile.
Dazu gehören die Refinanzierungskosten der Bank, Verwaltungsaufwand, Eigenkapitalanforderungen und eine Gewinnmarge.
Hinzu kommt die Risikoprämie.
Je unsicherer die Rückzahlung erscheint, desto höher wird sie.
Warum der EZB-Zins allein wenig erklärt
Deshalb kann sich ein Firmenkredit verteuern, obwohl die EZB ihren Leitzins gar nicht verändert.
Ein Unternehmen mit guter Bonität kann weiterhin vergleichsweise günstige Konditionen erhalten.
Ein Unternehmen mit schwacher Bilanz zahlt dagegen möglicherweise einen erheblichen Risikoaufschlag.
Die aktuelle Kredithürde ist deshalb auch ein Signal über den Zustand der Unternehmensbilanzen.
Beispiel: Eine Maschine wird plötzlich schwer finanzierbar
Ein mittelständischer Hersteller benötigt drei Millionen Euro für eine Produktionsanlage.
Vor wenigen Jahren verfügte er über hohe Gewinne und eine solide Eigenkapitalquote.
Nach mehreren schwachen Geschäftsjahren ist die Bilanz weniger robust.
Die Bank könnte nun verlangen, dass das Unternehmen statt 20 Prozent beispielsweise einen deutlich höheren Eigenanteil aufbringt.
Oder sie verlangt zusätzliche Sicherheiten.
Formal gibt es weiterhin ein Kreditangebot.
Praktisch kann die Investition trotzdem scheitern.
Einzelhandel besonders stark unter Druck
Besonders auffällig ist die Situation im Einzelhandel.
Dort meldete zuletzt mehr als die Hälfte der Unternehmen in den betrachteten Größenklassen Kreditrestriktionen.
Die schwache Konsumnachfrage spielt eine wichtige Rolle.
Steigende Lebenshaltungskosten begrenzen die Kaufkraft vieler Haushalte.
Gleichzeitig kämpfen Händler mit höheren Lohn-, Miet-, Energie- und Logistikkosten.
Das belastet Margen und Bonität.
Auch Großunternehmen spüren strengere Banken
Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf kleine Betriebe.
Bei den Großunternehmen berichteten 32,9 Prozent der Firmen mit Kreditverhandlungen von restriktiven Banken.
Das war der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebung.
Das zeigt, dass die erhöhte Risikowahrnehmung inzwischen einen breiten Teil der Wirtschaft erreicht.
Gleichzeitig sinkt die Kreditnachfrage
Noch problematischer wird das Bild dadurch, dass Unternehmen selbst weniger Kredite nachfragen.
Viele Firmen wollen sich nicht zusätzlich verschulden.
Andere verschieben Investitionen wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit.
Damit entsteht eine Kombination aus niedriger Kreditnachfrage und strengeren Vergabestandards.
Warum das für Investitionen wichtig ist
Kredite sind nicht grundsätzlich notwendig, damit Unternehmen investieren können.
Firmen mit hoher Liquidität können Anlagen aus eigenen Mitteln bezahlen.
Für große Projekte reicht das aber häufig nicht.
Produktionsanlagen, Digitalisierung oder Energieeffizienz können Millionenbeträge erfordern.
Wer keinen Fremdkapitalzugang besitzt, muss solche Investitionen aufschieben oder verkleinern.
Was als Nächstes entscheidend ist
Die wichtigste Kennzahl ist nicht nur die Kredithürde.
Auch das tatsächliche Kreditinteresse muss beobachtet werden.
Steigt die Nachfrage wieder und sinkt gleichzeitig der Anteil restriktiver Banken, wäre das ein positives Signal.
Einordnung
Die Rekord-Kredithürde zeigt nicht, dass Deutschland bereits in einer klassischen Kreditklemme steckt.
Sie zeigt aber, dass der Finanzierungskanal für Unternehmen schlechter funktioniert.
Wenn sich dieser Zustand mit dauerhaft schwacher Investitionstätigkeit verbindet, kann daraus ein erhebliches Wachstumsproblem entstehen.

