Der US-Dollar hat im August deutlich an Stärke verloren. Gegenüber dem Euro fiel die amerikanische Währung zeitweise auf den niedrigsten Stand seit rund drei Monaten.
- Der US-Anleihemarkt sorgt für Nervosität
- Hohe Staatsschulden werden stärker zum Thema
- US-Finanzministerium erhöht Anleiherückkäufe
- „Debasement Trade“ kehrt zurück
- Auch die Federal Reserve spielt eine Rolle
- Der Euro bekommt gleichzeitig Unterstützung von der EZB
- Ein stärkerer Euro hilft beim Import
- Exportunternehmen sehen die Entwicklung kritischer
- Wechselkurssicherung verzögert die Folgen
- Worauf es jetzt ankommt
Der Euro stieg zeitweise auf mehr als 1,16 Dollar.
Hinter der Bewegung steckt nicht eine einzelne schlechte US-Konjunkturzahl. Vielmehr treffen mehrere Entwicklungen aufeinander: Sorgen über die amerikanischen Staatsfinanzen, starke Bewegungen am Markt für US-Staatsanleihen und unterschiedliche Erwartungen an die Geldpolitik von Federal Reserve und Europäischer Zentralbank.
Der US-Anleihemarkt sorgt für Nervosität
Besonders wichtig ist derzeit die Entwicklung langfristiger amerikanischer Staatsanleihen.
Die Rendite 30-jähriger US-Treasuries stieg im August zeitweise auf mehr als 5,3 Prozent und erreichte damit ein Niveau, das seit 2007 nicht mehr erreicht worden war.
Hohe Renditen sind für eine Währung nicht automatisch negativ.
Normalerweise können attraktive Zinsen Kapital anziehen.
Problematisch wird es, wenn Anleger die höheren Renditen nicht als attraktive Verzinsung, sondern als zusätzliche Risikoprämie verlangen.
Genau diese Diskussion findet derzeit statt.
Hohe Staatsschulden werden stärker zum Thema
Die Vereinigten Staaten müssen dauerhaft große Haushaltsdefizite finanzieren.
Dafür gibt das Finanzministerium große Mengen neuer Staatsanleihen aus.
Je größer das Angebot, desto mehr Kapital muss der Markt aufnehmen.
Wenn Investoren Zweifel an Inflation, Defizitentwicklung oder langfristiger Schuldentragfähigkeit haben, verlangen sie höhere Renditen.
Der amerikanische Anleihemarkt ist so groß, dass bereits kleine Veränderungen große Auswirkungen auf globale Kapitalströme haben können.
Infobox: Warum der Dollar im August unter Druck geriet
US-Staatsfinanzen: hohe Defizite und steigende Schulden
Langfristige Renditen: zeitweise auf Mehrjahreshochs
Treasury-Rückkäufe: stärkere Eingriffe zur Verbesserung der Marktliquidität
EZB: Erwartung einer möglichen weiteren Zinserhöhung
Dollarindex: im Bereich mehrmonatiger Tiefstände
US-Finanzministerium erhöht Anleiherückkäufe
Das US-Finanzministerium kündigte an, die Rückkäufe bestimmter länger laufender Staatsanleihen zu verdoppeln.
Bei einigen Laufzeiten sollen mindestens vier Milliarden Dollar pro Rückkaufoperation statt zuvor zwei Milliarden eingesetzt werden.
Solche Buybacks sind nicht mit einem Anleihekaufprogramm einer Zentralbank gleichzusetzen.
Das Finanzministerium will damit in erster Linie die Liquidität und Funktionsfähigkeit einzelner Segmente des Treasury-Markts verbessern.
Anleger interpretierten die Maßnahme trotzdem als Signal, dass die hohen langfristigen Renditen inzwischen politischen Druck erzeugen.
Das belastete den Dollar.
„Debasement Trade“ kehrt zurück
An den Märkten wurde erneut über einen sogenannten Debasement Trade gesprochen.
Damit ist die Sorge gemeint, dass hohe Staatsverschuldung und eine expansive Finanzpolitik langfristig die Kaufkraft einer Währung belasten könnten.
In solchen Phasen suchen Anleger teilweise nach alternativen Vermögenswerten.
Gold und Bitcoin profitierten im August gleichzeitig von der Dollarschwäche.
Der Begriff sollte jedoch nicht überinterpretiert werden.
Der Dollar bleibt die mit Abstand wichtigste Reserve- und Handelswährung der Welt.
Von einer grundsätzlichen Abkehr vom Dollar kann keine Rede sein.
Auch die Federal Reserve spielt eine Rolle
Die amerikanische Geldpolitik liefert derzeit kein eindeutiges Signal.
Hohe Inflation spricht grundsätzlich für eine restriktive Federal Reserve.
Schwächere Konjunkturdaten reduzieren dagegen den Druck auf die Notenbank, die Zinsen schnell weiter zu erhöhen.
Diese Unsicherheit hat dazu beigetragen, dass sich die Erwartungen für die kommenden Fed-Sitzungen mehrfach verändert haben.
Der Euro bekommt gleichzeitig Unterstützung von der EZB
In Europa hat sich die Erwartung dagegen stärker in Richtung höherer Zinsen bewegt.
Die EZB erhöhte den Einlagensatz im Juni auf 2,25 Prozent.
Für September wird ein weiterer Schritt diskutiert.
Steigende Zinsen können Anlagen im Euroraum attraktiver machen.
Damit gewinnt der Euro zusätzlich Unterstützung.
Ein stärkerer Euro hilft beim Import
Für Verbraucher im Euroraum kann ein stärkerer Euro Vorteile haben.
Öl und zahlreiche andere Rohstoffe werden in Dollar gehandelt.
Steigt der Wert des Euro, müssen europäische Käufer für denselben Dollarbetrag weniger Euro bezahlen.
Das kann einen Teil importierter Inflation ausgleichen.
Gerade in einer Phase hoher Energiepreise ist dieser Effekt relevant.
Exportunternehmen sehen die Entwicklung kritischer
Für deutsche Exporteure kann ein stärkerer Euro dagegen zum Problem werden.
Ein Produkt mit einem Preis von 100.000 Euro kostet bei einem Wechselkurs von 1,10 Dollar rund 110.000 Dollar.
Steigt der Euro auf 1,16 Dollar, erhöht sich der Preis für einen amerikanischen Käufer auf rund 116.000 Dollar.
Das Unternehmen hat seinen Europreis nicht verändert.
Aus Sicht des Kunden ist das Produkt trotzdem deutlich teurer geworden.
Wechselkurssicherung verzögert die Folgen
Große Unternehmen sichern einen Teil ihrer Fremdwährungsrisiken ab.
Dafür werden beispielsweise Devisentermingeschäfte genutzt.
Diese Sicherungen können kurzfristige Schwankungen abfedern.
Eine dauerhaft stärkere europäische Währung lässt sich damit allerdings nicht vollständig neutralisieren.
Spätestens wenn alte Sicherungsgeschäfte auslaufen, gelten neue Marktpreise.
Worauf es jetzt ankommt
Der Dollar wird in den kommenden Wochen vor allem von vier Faktoren beeinflusst:
US-Inflation, Fed-Kommunikation, Treasury-Renditen und die Entwicklung der amerikanischen Staatsfinanzen.
Auf europäischer Seite bleibt die September-Sitzung der EZB entscheidend.
Einordnung
Der aktuelle Dollar-Rückgang ist nicht allein eine klassische Zinsgeschichte.
Er zeigt vielmehr, dass Anleger inzwischen stärker zwischen hohen Renditen aufgrund attraktiver Geldpolitik und hohen Renditen aufgrund fiskalischer Risiken unterscheiden.
Genau dieser Unterschied macht die derzeitige Lage am Devisenmarkt ungewöhnlich.

