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Geldpolitik

EZB vor neuer Zinserhöhung: Warum im September der nächste Schritt folgen könnte

Jens Schumacher - DAPD
Zuletzt aktualisiert: 11. September 2026 14:45
Jens Schumacher - DAPD
Vor 2 Monaten
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EZB vor neuer Zinserhöhung: Warum im September der nächste Schritt folgen könnte
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Die Europäische Zentralbank steht möglicherweise vor der zweiten Zinserhöhung innerhalb weniger Monate. Nach dem Schritt im Juni und einer Pause im Juli rechnen Finanzmarktteilnehmer inzwischen damit, dass die EZB ihren Einlagensatz im September von derzeit 2,25 auf 2,50 Prozent anheben könnte.

Inhaltsverzeichnis
  • Die EZB hat bereits im Juni reagiert
    • Infobox: Die wichtigsten EZB-Zinsen
  • Im Juli legte die EZB eine Pause ein
  • Warum Energiepreise für die EZB so schwierig sind
  • Die Wirtschaft hält sich bislang besser als erwartet
  • Anleihemärkte rechnen bereits mit höheren Zinsen
  • Was eine Zinserhöhung für Kredite bedeutet
  • Sparer können profitieren
  • Ein höherer EZB-Zins kann den Euro stützen
  • Was als Nächstes wichtig wird
    • Einordnung

Beschlossen ist das nicht. Die nächste geldpolitische Sitzung findet am 9. und 10. September statt. Bis dahin erhält die EZB weitere Inflationsdaten und neue Projektionen zur wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum.

Die Ausgangslage hat sich dennoch deutlich verändert. Noch zu Beginn des Jahres war die Diskussion stärker von möglichen Zinssenkungen geprägt. Inzwischen dominieren wieder Inflationsrisiken, vor allem infolge höherer Energiepreise.

Die EZB hat bereits im Juni reagiert

Am 11. Juni erhöhte die EZB ihre drei zentralen Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte.

Seit dem 17. Juni liegt der Zinssatz der Einlagefazilität bei 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz beträgt 2,40 Prozent, die Spitzenrefinanzierungsfazilität 2,65 Prozent.

Die EZB begründete die Zinserhöhung ausdrücklich mit dem zusätzlichen Inflationsdruck infolge des Konflikts im Nahen Osten.

Für 2026 erwartet die Notenbank in ihrer Juni-Projektion eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 Prozent im Euroraum. Für 2027 werden 2,3 Prozent erwartet, erst 2028 soll die Inflation wieder bei rund 2,0 Prozent liegen.

Infobox: Die wichtigsten EZB-Zinsen

Einlagefazilität: 2,25 Prozent
Hauptrefinanzierungssatz: 2,40 Prozent
Spitzenrefinanzierungssatz: 2,65 Prozent
Nächste EZB-Sitzung: 9. und 10. September 2026
Inflationsziel: 2 Prozent auf mittlere Sicht

Im Juli legte die EZB eine Pause ein

Am 23. Juli ließ der EZB-Rat die Zinsen unverändert.

Das war allerdings kein Signal dafür, dass der Zinserhöhungszyklus bereits beendet ist.

Die Notenbank erklärte vielmehr, dass die Auswirkungen des Energiepreisschocks noch nicht vollständig in den Inflationsdaten angekommen seien.

Besonders aufmerksam beobachtet die EZB sogenannte indirekte und Zweitrundeneffekte.

Damit ist gemeint, dass steigende Energiepreise nicht nur Benzin, Diesel oder Gas verteuern.

Unternehmen zahlen mehr für Transport, Produktion und Logistik. Werden diese Kosten weitergegeben, können auch andere Waren und Dienstleistungen teurer werden.

Warum Energiepreise für die EZB so schwierig sind

Eine Zentralbank kann den Ölpreis nicht unmittelbar beeinflussen.

Höhere Zinsen führen nicht dazu, dass mehr Öl gefördert oder eine wichtige Transportroute wieder geöffnet wird.

Die EZB versucht deshalb nicht, den ursprünglichen Energieschock zu beseitigen.

Sie will verhindern, dass daraus eine dauerhaft höhere Inflation entsteht.

Das wird besonders dann problematisch, wenn Unternehmen langfristig höhere Preise einplanen und Beschäftigte als Reaktion höhere Löhne verlangen.

Steigen dadurch wiederum die Kosten der Unternehmen, kann sich der Preisdruck verfestigen.

Die Wirtschaft hält sich bislang besser als erwartet

Ein weiterer Grund für die gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung ist die vergleichsweise robuste Konjunktur.

Die wirtschaftliche Aktivität im Euroraum hat sich zuletzt besser entwickelt als zunächst befürchtet.

Das gibt der EZB mehr Spielraum.

Eine Zentralbank wird bei einer schweren Rezession vorsichtiger mit Zinserhöhungen sein, weil zusätzliche Finanzierungskosten die Wirtschaft weiter belasten könnten.

Wenn Produktion und Dienstleistungen dagegen weiter wachsen, fällt diese Abwägung anders aus.

Anleihemärkte rechnen bereits mit höheren Zinsen

Die Veränderung lässt sich am europäischen Anleihemarkt beobachten.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg im August zeitweise auf mehr als 3,2 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit rund 15 Jahren.

Das zeigt, dass Anleger für langfristige Kredite an Staaten höhere Renditen verlangen.

Dafür gibt es mehrere Ursachen.

Neben Inflation spielen höhere Staatsausgaben und der wachsende Finanzierungsbedarf vieler Länder eine Rolle.

Die EZB ist also nicht der einzige Faktor.

Was eine Zinserhöhung für Kredite bedeutet

Eine Erhöhung des EZB-Einlagensatzes um 0,25 Prozentpunkte bedeutet nicht automatisch, dass jeder Kredit ebenfalls exakt um 0,25 Prozentpunkte teurer wird.

Banken kalkulieren ihre Kreditzinsen aus mehreren Bestandteilen.

Dazu gehören Refinanzierungskosten, Laufzeit, Bonität, Sicherheiten und die eigene Marge.

Bei Immobilienkrediten spielen außerdem langfristige Kapitalmarktzinsen eine besonders große Rolle.

Trotzdem wirkt ein höheres Zinsniveau grundsätzlich in Richtung höherer Finanzierungskosten.

Unternehmen können Investitionen dadurch teurer finanzieren.

Für Immobilienkäufer können Bauzinsen länger erhöht bleiben.

Sparer können profitieren

Für Sparer funktioniert der Effekt grundsätzlich in die andere Richtung.

Steigt der Einlagensatz der EZB, können Banken höhere Erträge auf überschüssige Liquidität erzielen.

Dadurch steigt grundsätzlich der Spielraum für bessere Tagesgeld- und Festgeldkonditionen.

Ob eine Bank diese höheren Erträge vollständig an Kunden weitergibt, ist allerdings nicht garantiert.

Der Wettbewerb zwischen den Instituten entscheidet mit.

Ein höherer EZB-Zins kann den Euro stützen

Auch am Devisenmarkt spielen die Erwartungen eine Rolle.

Werden Anlagen im Euroraum höher verzinst, kann das den Euro für internationale Investoren attraktiver machen.

Ein stärkerer Euro kann wiederum importierte Inflation etwas abfedern.

Viele Rohstoffe werden in Dollar gehandelt.

Steigt der Euro gegenüber der US-Währung, werden solche Importe in Euro gerechnet günstiger.

Für exportorientierte Unternehmen kann derselbe Effekt allerdings zum Nachteil werden.

Was als Nächstes wichtig wird

Bis zur September-Sitzung dürfte die EZB insbesondere auf vier Größen achten:

die Inflationsrate, die Kerninflation, die Energiepreise und die Lohnentwicklung.

Entscheidend ist außerdem, ob sich die Konjunktur weiter stabil zeigt.

Einordnung

Eine Zinserhöhung im September würde nicht automatisch den Beginn einer langen Serie weiterer Zinsschritte bedeuten.

Die EZB betont weiterhin, von Sitzung zu Sitzung zu entscheiden.

Der wichtigste Unterschied zur Lage vor einigen Monaten ist deshalb nicht, dass dauerhaft steigende Zinsen bereits feststehen.

Entscheidend ist vielmehr, dass Zinssenkungen derzeit kein selbstverständliches Basisszenario mehr sind.

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