Die deutsche Nachrichtenagentur dapd meldete Anfang Oktober 2012 überraschend Insolvenz an. Noch wenige Monate zuvor hatte das Unternehmen expandiert, neue Dienste aufgebaut und ehrgeizige Wachstumsziele verfolgt. Am 2. Oktober 2012 wurde dann bekannt, dass zentrale Gesellschaften der dapd-Gruppe zahlungsunfähig waren und beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt hatten.
- dapd beantragte am 2. Oktober 2012 Insolvenz
- Rund 300 Mitarbeiter waren zunächst betroffen
- Der Aufstieg von dapd war ungewöhnlich schnell
- Die Verluste wurden zum Problem
- Die Insolvenz traf eine Agentur mitten in der Expansion
- Die Associated Press beendete später die Zusammenarbeit
- Der erste Sanierungsversuch rettete dapd nicht dauerhaft
- Am 11. April 2013 endete der Nachrichtendienst
- Warum die dapd-Insolvenz für die Medienbranche bedeutsam war
- Vom Herausforderer zum historischen Kapitel
Betroffen waren zunächst die dapd nachrichtenagentur GmbH und die dapd nachrichten GmbH. Weitere Gesellschaften der Gruppe sollten wenige Tage später folgen. Der Nachrichtendienst wurde zunächst fortgeführt, während nach einer wirtschaftlich tragfähigen Lösung gesucht wurde.
Die Insolvenz markierte den Anfang einer Entwicklung, die schließlich zum Ende der Nachrichtenagentur führte. Am 11. April 2013 stellte dapd die Belieferung seiner Kunden ein.
dapd beantragte am 2. Oktober 2012 Insolvenz
Die Nachricht kam für viele Beobachter unerwartet. dapd hatte sich seit seiner Entstehung als ambitionierter Wettbewerber der Deutschen Presse-Agentur dpa positioniert und sein Angebot in kurzer Zeit erheblich ausgebaut.
Am 2. Oktober 2012 stellten die dapd nachrichtenagentur GmbH und die dapd nachrichten GmbH beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.
Als Grund wurde Zahlungsunfähigkeit genannt.
Wenig später sollten sechs weitere Gesellschaften der Gruppe ebenfalls Insolvenz anmelden:
- dapd Korrespondenz und Recherche GmbH
- dapd International Service GmbH
- dapd Sport GmbH
- dfd Foto Service GmbH
- dapd video GmbH
- News and Medien Service Exklusiv GmbH
Damit waren acht Berliner Gesellschaften der Unternehmensgruppe von der Insolvenz betroffen.
Nicht sämtliche Unternehmen des damaligen Firmenverbunds waren Teil des Verfahrens. Andere Gesellschaften sowie die dapd Media Holding blieben zunächst außerhalb der Insolvenz.
Rund 300 Mitarbeiter waren zunächst betroffen
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatten erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigten.
Zeitgenössischen Berichten zufolge waren rund 300 der damals insgesamt gut 500 Mitarbeiter innerhalb der dapd-Gruppe unmittelbar von den Insolvenzverfahren betroffen.
Zunächst sollte der Geschäftsbetrieb dennoch weiterlaufen. Ziel war es, die Unternehmen zu restrukturieren und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
Die Situation war jedoch schwierig: Eine Nachrichtenagentur ist auf einen kontinuierlichen Betrieb angewiesen. Meldungen, Bilder und weitere Inhalte müssen täglich und oft rund um die Uhr an Kunden geliefert werden. Ein längerer Stillstand hätte den Wert des eigentlichen Geschäftsmodells unmittelbar gefährdet.
Deshalb war die Fortführung während des Insolvenzverfahrens von zentraler Bedeutung.
Der Aufstieg von dapd war ungewöhnlich schnell
Um die Insolvenz zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Jahre zuvor.
Die dapd Nachrichtenagentur war in ihrer damaligen Form 2010 entstanden. Eine wesentliche Grundlage bildeten der Deutsche Depeschendienst ddp und der deutsche Dienst der US-amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press.
Damit trat ein neuer großer Wettbewerber auf dem deutschen Agenturmarkt auf.
dapd wollte Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunkanstalten, Onlineportale sowie weitere institutionelle und gewerbliche Kunden mit Nachrichten, Fotos und zusätzlichen Medienangeboten versorgen.
Das Unternehmen verfolgte dabei eine offensive Wachstumsstrategie.
Neue Dienste wurden aufgebaut, Personal eingestellt und zusätzliche Geschäftsfelder erschlossen. Dazu gehörte unter anderem ein eigener Sportdienst. Auch im Ausland verfolgte die Unternehmensgruppe Expansionspläne.
2011 hatte dapd nach damaligen Unternehmensangaben einen Umsatz von 31,7 Millionen Euro erzielt. Für 2012 wurden deutlich höhere Erlöse angestrebt.
Der schnelle Ausbau brachte allerdings auch hohe Kosten mit sich.
Die Verluste wurden zum Problem
Nach Bekanntwerden der Insolvenz wurden zunehmend Einzelheiten über die finanzielle Situation öffentlich.
Medienberichte aus dem Oktober 2012 beschrieben monatliche Verluste von mehr als einer Million Euro bei den betroffenen Gesellschaften. Die Eigentümer Martin Vorderwülbecke und Peter Löw hatten das Unternehmen zuvor mit eigenem Kapital unterstützt.
Das Geschäftsmodell stand damit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.
Nachrichtenagenturen arbeiten in einem Markt, in dem die Zahl großer zahlungskräftiger Medienkunden begrenzt ist. Gleichzeitig verursacht ein flächendeckendes journalistisches Angebot hohe laufende Kosten: Korrespondenten, Redaktionen, Technik, Foto- und Videodienste sowie die Infrastruktur für eine permanente Nachrichtenversorgung müssen finanziert werden.
dapd versuchte gleichzeitig zu wachsen und sich als ernsthafte Alternative zum etablierten Marktführer dpa zu etablieren.
Die dafür notwendigen Investitionen konnten letztlich nicht dauerhaft durch die Einnahmen gedeckt werden.
Die Insolvenz traf eine Agentur mitten in der Expansion
Bemerkenswert ist vor allem der Zeitpunkt.
dapd befand sich nicht in einer Phase offensichtlichen Rückzugs, sondern hatte sein Angebot zuvor stark erweitert.
Der Sportdienst war ein Beispiel dafür. Auch international hatte die Gruppe ambitionierte Pläne verfolgt. In Frankreich wollte dapd ebenfalls stärker in den Nachrichtenmarkt einsteigen.
Damit entstand eine ungewöhnliche Situation: Nach außen vermittelte die Agentur lange den Eindruck eines expandierenden Medienunternehmens, während sich gleichzeitig erhebliche finanzielle Belastungen aufgebaut hatten.
Die Insolvenz Anfang Oktober 2012 machte diesen Widerspruch sichtbar.
Die Associated Press beendete später die Zusammenarbeit
Nach dem Insolvenzantrag verschärfte sich die Situation zusätzlich.
Im November 2012 wurde bekannt, dass die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press ihre Zusammenarbeit mit dapd beenden würde.
Die Partnerschaft war für dapd wichtig, insbesondere für die internationale Berichterstattung. AP-Inhalte bildeten eine bedeutende Quelle für Nachrichten aus dem Ausland.
Associated Press vereinbarte anschließend eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Presse-Agentur.
Für dapd bedeutete der Verlust dieser Kooperation einen weiteren schweren Einschnitt. Die Agentur musste nicht nur ihre finanzielle Sanierung bewältigen, sondern gleichzeitig einen wichtigen Bestandteil ihres bisherigen Nachrichtenangebots ersetzen.
Der erste Sanierungsversuch rettete dapd nicht dauerhaft
Nach der Insolvenz im Herbst 2012 wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft, das Unternehmen fortzuführen.
Teile des Geschäftsbetriebs konnten zunächst erhalten werden. Die grundlegenden wirtschaftlichen Probleme waren damit jedoch nicht endgültig gelöst.
Anfang März 2013 folgte ein weiterer Insolvenzantrag im Umfeld der Nachrichtenagentur. Hintergrund waren nach damaliger Darstellung Schwierigkeiten bei der geplanten Finanzierung und Sanierung.
Damit begann erneut die Suche nach Investoren.
Mehrere Interessenten führten Gespräche über eine mögliche Beteiligung oder Übernahme.
Eine dauerhafte Lösung kam jedoch nicht zustande.
Am 11. April 2013 endete der Nachrichtendienst
Das entscheidende Datum war schließlich der 11. April 2013.
An diesem Tag stellte dapd um 17 Uhr die Belieferung seiner Kunden ein.
Nach damaligen Angaben waren zuvor Gespräche mit mehreren möglichen Investoren gescheitert. Als letzter aussichtsreicher Gesprächspartner hatte die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti wenige Tage zuvor ihre Gespräche beendet.
Für die verbleibenden Mitarbeiter bedeutete die Einstellung des Nachrichtendienstes faktisch das Ende der Agentur.
Zu diesem Zeitpunkt waren noch rund 175 fest angestellte Beschäftigte bei dapd tätig.
Damit endete ein Unternehmen, das nur wenige Jahre zuvor mit großen Ambitionen angetreten war, die Kräfteverhältnisse auf dem deutschen Nachrichtenagenturenmarkt zu verändern.
Warum die dapd-Insolvenz für die Medienbranche bedeutsam war
Die Geschichte von dapd zeigt, wie schwierig das klassische Geschäftsmodell einer Nachrichtenagentur im digitalen Medienmarkt geworden war.
Redaktionen standen bereits damals unter erheblichem Kostendruck. Zeitungsverlage bauten Stellen ab, bündelten Redaktionen und überprüften ihre Ausgaben für externe Nachrichtendienste.
Gleichzeitig mussten Nachrichtenagenturen ein umfangreiches Angebot aufrechterhalten. Wer als Vollagentur auftreten wollte, brauchte nationale und internationale Berichterstattung, Politik-, Wirtschafts-, Sport- und Regionaldienste sowie zunehmend Fotos, Videos und digitale Inhalte.
dapd versuchte, in diesem Umfeld innerhalb kurzer Zeit einen zweiten großen Vollanbieter neben der dpa aufzubauen.
Das Unternehmen gewann Kunden und vergrößerte sein Angebot, konnte das hohe Wachstum aber nicht nachhaltig finanzieren.
Vom Herausforderer zum historischen Kapitel
Die Insolvenz vom Oktober 2012 war deshalb mehr als die Zahlungsunfähigkeit einzelner Gesellschaften.
Sie leitete das Ende eines der ambitioniertesten Versuche ein, den deutschen Nachrichtenagenturenmarkt neu zu ordnen.
Zwischen der Gründung beziehungsweise Neuaufstellung von dapd 2010 und der Einstellung des Nachrichtendienstes im April 2013 lagen nur rund drei Jahre.
In dieser kurzen Zeit entwickelte sich dapd zu einem viel beachteten Wettbewerber, expandierte in zahlreiche Bereiche und beschäftigte zeitweise mehrere hundert Menschen.
Die wirtschaftliche Basis hielt mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt.
Am 2. Oktober 2012 wurde dieses Problem öffentlich sichtbar. Der Insolvenzantrag war der Beginn eines mehrmonatigen Sanierungsversuchs, an dessen Ende die Nachrichtenagentur ihren Betrieb einstellen musste.
Heute gehört die Geschichte von dapd damit zu den bemerkenswerten Episoden des deutschen Medienmarktes der frühen 2010er-Jahre.

