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Welche Standorte betroffen wären, bleibt offen. Der Gesamtbetriebsrat weist das Ultimatum zurück, Arbeitnehmervertreter fordern Investitionen und Beschäftigungssicherung.
Mercedes-Benz hat die mögliche Schließung eines Montagewerks und eines Antriebswerks in Deutschland an Kostensenkungen geknüpft. Produktionsvorstand Michael Schiebe stellte den Schritt für den Fall in Aussicht, dass Unternehmen und Arbeitnehmerseite keine gemeinsamen Kostenmaßnahmen erreichen. Eine Schließungsentscheidung ist nicht gefallen. Die Ankündigung erhöht den Druck in der Kostendebatte; welche konkreten Maßnahmen oder Standorte Mercedes prüft, ist nicht bekannt.
Mercedes bezeichnet die Produktion in Deutschland im internationalen Vergleich als nicht wettbewerbsfähig und verweist insbesondere auf hohe Arbeitskosten. Zugleich erklärte der Konzern, alle deutschen Standorte und die Beschäftigung im Land erhalten zu wollen. Dafür seien Rahmenbedingungen nötig, die die Produktivität in Deutschland steigerten.
Welche Werke betroffen wären, bleibt offen
Schiebe äußerte sich am 21. September 2026 bei einer Betriebsversammlung im Mercedes-Werk Sindelfingen. Nach vom Unternehmen veröffentlichten Auszügen seiner Rede sagte er, das klare Ziel sei der Erhalt aller deutschen Standorte. Voraussetzung dafür sei eine gemeinsame Verpflichtung zu Kostenmaßnahmen.
Falls dies nicht gelinge, müsse Mercedes ein deutsches Montagewerk und ein deutsches Antriebswerk schließen, erklärte Schiebe. Der Konzern nannte keine Standorte. In den öffentlichen Äußerungen machte Mercedes auch keine Angaben zur Höhe möglicher Einsparungen, zu einem Zeitplan oder zu den Kosten einzelner Werke.
Damit bleibt die wirtschaftliche Tragweite der Warnung vorerst unbestimmt. Ohne Angaben zu den betroffenen Standorten, Beschäftigtenzahlen und Produktionsvolumen lässt sich nicht belastbar abschätzen, wie viele Arbeitsplätze oder welche Produktionskapazitäten betroffen wären. Auch ob bereits konkrete Schließungsszenarien bestehen, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor.
Betriebsrat lehnt das Ultimatum ab
Der Gesamtbetriebsrat wies die Verbindung von Kostenzugeständnissen und möglichen Werksschließungen zurück. Wer Beschäftigte mit dem Ultimatum „Zugeständnisse oder Werksschließungen“ unter Druck setzen wolle, müsse mit entschlossenem Widerstand rechnen, erklärte die Arbeitnehmervertretung.
In einer Mitteilung der IG Metall forderten Arbeitnehmervertreter Investitionen in Produkte, Technologien und deutsche Standorte sowie belastbare Perspektiven für die Beschäftigung. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ergun Lümali wandte sich gegen weitere Einschnitte bei Arbeitszeit, tariflichen Leistungen und Einkommen. Der Betriebsratsvorsitzende des Standorts Untertürkheim, Michael Häberle, verlangte eine Zukunftsagenda mit Investitionen und Beschäftigungssicherung.
Die Positionen liegen damit deutlich auseinander. Mercedes verlangt gemeinsame Kostenmaßnahmen, um nach eigener Darstellung Standorte und Beschäftigung in Deutschland zu erhalten. Die Arbeitnehmerseite fordert dagegen, die Zukunft der Werke durch Investitionen und konkrete Perspektiven abzusichern, statt weitere Zugeständnisse von den Beschäftigten zu verlangen.
Branchenweiter Aktionstag mit mehr als 175.000 Beteiligten
Am selben Tag fand ein bundesweiter Aktionstag der IG Metall zur Lage der Autoindustrie statt. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich mehr als 175.000 Beschäftigte von Autoherstellern, Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern. Für Sindelfingen meldete die IG Metall 22.000 Teilnehmer, für den Mercedes-Standort Untertürkheim mehr als 5.000.
Der Aktionstag richtete sich allgemein gegen Stellenabbau in der Branche und für eine stärkere Industriepolitik. Er war damit breiter angelegt als die konkrete Auseinandersetzung bei Mercedes. Die Gewerkschaft verband ihre Forderungen an die Unternehmen mit Forderungen an die Politik nach wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen für industrielle Produktion in Deutschland.
Kostenkonflikt ohne benannten Zeitplan
Für die wirtschaftliche Einordnung ist entscheidend, dass Mercedes bislang eine Bedingung formuliert hat, aber weder einen Beschluss noch einen Zeitplan für Werksschließungen bekannt gab. Die Aussage des Konzerns über mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist eine unternehmerische Bewertung; öffentlich zugängliche Kostenvergleiche zwischen den deutschen Werken legte Mercedes in diesem Zusammenhang nicht vor.
Ob und auf welche Kostenmaßnahmen sich Unternehmen und Arbeitnehmervertretungen verständigen, ist offen. Ebenso offen bleibt, ob Mercedes die Warnung mit konkreten Standortentscheidungen unterlegt. Solange der Konzern weder betroffene Werke noch Beschäftigtenzahlen und Fristen nennt, lassen sich die möglichen Folgen für Produktion und Arbeitsplätze nicht seriös beziffern.

