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EU und Indien: Verhandlungen für Mega-Handelspakt abgeschlossen

Torsten Cordes
Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2026 17:16
Torsten Cordes
Vor 3 Monaten
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Premierminister Modi trifft den Präsidenten des Europäischen Rates, António Luís Santos da Costa, und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, am 27. Januar 2026 im Hyderabad House in Neu-Delhi. / Foto: Prime Minister's Office (GODL-India), GODL-India, via Wikimedia Commons
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Nach fast zwei Jahrzehnten zäher Verhandlungen haben die EU und Indien in Neu-Delhi einen historischen Durchbruch erzielt. Das Abkommen schafft einen gemeinsamen Markt für zwei Milliarden Menschen und gilt als strategische Antwort auf globale Handelsspannungen. Doch wie profitieren deutsche Unternehmen, und wo liegen die Kompromisse?

Neu-Delhi/Brüssel. Es ist ein geopolitisches Signal der Superlative, das am gestrigen Dienstag, den 27. Januar 2026, aus Neu-Delhi gesendet wurde: Die Europäische Union und Indien haben ihre Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen offiziell abgeschlossen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verkündete den Durchbruch gemeinsam mit der indischen Führung und sprach von der „Geschichte zweier Giganten – der weltweit zweit- und viertgrößten Volkswirtschaft“. Das Abkommen soll nicht nur Zölle in Milliardenhöhe abbauen, sondern die beiden größten Demokratien der Welt auch sicherheitspolitisch enger aneinanderbinden – eine direkte Reaktion auf die zunehmenden Unsicherheiten im Welthandel.

Wirtschaftsmotor für Exportnationen

Der ökonomische Hebel des Abkommens ist gewaltig. Laut der EU-Vertretung in Österreich schafft der Pakt einen Markt von zwei Milliarden Menschen. Das primäre Ziel ist der Abbau von Handelshemmnissen: Exporteure jeder Größe sollen künftig Zölle von bis zu 4 Milliarden Euro pro Jahr einsparen. Expertenprognosen zufolge könnten sich die EU-Exporte nach Indien bis zum Jahr 2032 verdoppeln.

Für die deutsche Wirtschaft, die bereits heute wichtigster Handelspartner Indiens innerhalb der EU ist, ist die Einigung von zentraler Bedeutung. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2024 bei 31 Milliarden Euro. Klemens Kober vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezeichnete das Abkommen im Vorfeld als potenziellen „Game-Changer“, insbesondere angesichts der teilweise sehr hohen Handelshürden, mit denen sich europäische Firmen auf dem Subkontinent konfrontiert sahen.

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Abbau asymmetrischer Zollschranken

Die bisherige Zollstruktur war durch eine starke Asymmetrie geprägt. Während die EU laut der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung im Durchschnitt Zölle von etwa 5 Prozent auf indische Waren erhob, lagen die indischen Zölle auf deutsche Produkte zuletzt bei durchschnittlich 12 Prozent. Besonders betroffen waren dabei Schlüsselsektoren der deutschen Exportindustrie:

  • Automobilindustrie: Hier erhob Indien zuletzt Zölle von bis zu 110 Prozent auf PKW (zuvor 125 Prozent).
  • Spirituosen: Zölle auf Wein und Whisky lagen teils bei 150 Prozent.
  • Maschinenbau und Chemie: Auch diese für Deutschland essenziellen Branchen litten unter hohen Abgaben.

Das Abkommen sieht nun vor, diese Barrieren schrittweise abzubauen. Studien deuten laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) darauf hin, dass insbesondere der Automobilsektor, der Maschinenbau und die chemische Industrie ihre Exporte signifikant steigern können. Gleichzeitig warnt das Institut vor möglichen Verdrängungseffekten für die Textilindustrie in Südeuropa durch günstigere indische Importe.

Geopolitik: Allianz gegen Protektionismus

Der Abschluss ist nicht rein wirtschaftlich motiviert, sondern auch eine strategische Notwendigkeit. „Geopolitische Dynamik beflügelt das Handelsabkommen“, analysiert Prof. Gulshan Sachdeva für die Friedrich-Naumann-Stiftung. Angesichts der „erratischen US-Zollpolitik“ und eines immer selbstbewusster auftretenden Chinas würden beide Partner nach Diversifizierung suchen.

„Wir senden die starke Botschaft, dass Zusammenarbeit die beste Antwort auf globale Herausforderungen ist“, betonte von der Leyen in Neu-Delhi. Neben dem Handelspakt haben beide Seiten auch ihre erste Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft zwischen der EU und Indien gestartet, um in einer „zunehmend unsicheren Welt“ für Stabilität zu sorgen. Für Europa ist dies ein wesentlicher Schritt im Rahmen der „De-Risking“-Strategie, um Abhängigkeiten von einzelnen Märkten zu reduzieren und Lieferketten resilienter zu gestalten.

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Hürden und Kompromisse im Detail

Trotz des Jubels bleiben Herausforderungen. Die Verhandlungen, die ursprünglich bereits 2007 begannen und 2013 für Jahre auf Eis gelegt wurden, waren geprägt von unterschiedlichen Auffassungen über Marktzugang und Standards.

  • Landwirtschaft: Dieser Sektor gilt als hochsensibel. Indien beharrte auf dem Schutz seiner Landwirte. Experten wie Samina Sultan vom IW gehen davon aus, dass der Agrarbereich daher weitgehend vom Abkommen ausgenommen wurde oder nur eingeschränkt Teil davon ist.
  • Nachhaltigkeit und CO2-Standards: Der europäische CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) sorgte auf indischer Seite für Unmut, da man Nachteile für die eigene Stahl- und Aluminiumindustrie fürchtete. Indien forderte die Anerkennung „gleichwertiger Anstrengungen“.
  • Arbeitsmigration: Indien drängte massiv auf erleichterten Zugang für Fachkräfte zum europäischen Arbeitsmarkt. Dies wurde teilweise bereits über bilaterale Abkommen mit einzelnen Mitgliedsstaaten adressiert.

Als Blaupause für Lösungen dienten unter anderem das jüngste Abkommen Indiens mit den EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein) sowie der Vertrag mit Großbritannien.

Ausblick: Der Weg zur Ratifizierung

Mit dem symbolischen Handschlag in Neu-Delhi ist das Abkommen noch nicht in Kraft. Die ausgehandelten Textentwürfe werden nun einer juristischen Prüfung unterzogen und in alle EU-Amtssprachen übersetzt. Anschließend müssen der Europäische Rat und das Europäische Parlament zustimmen, ebenso wie die indische Seite das Abkommen ratifizieren muss.

Ob das Abkommen als Erfolg gewertet werden kann, wird sich laut der IW-Ökonomin Samina Sultan erst in fünf bis zehn Jahren zeigen – nämlich dann, wenn die vereinbarten Regeln tatsächlich greifen und sich der Arbeitskräfteaustausch sowie der Marktzugang spürbar verbessert haben. Bis dahin bleibt der 27. Januar 2026 ein Datum von historischer Tragweite, das den Willen beider Wirtschaftsmächte zur Kooperation in schwierigen Zeiten unterstreicht.

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Quellen:

https://austria.representation.ec.europa.eu/news/eu-und-indien-einig-uber-historisches-freihandelsabkommen-2026-01-27_de?prefLang=en

https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/qanda_26_185

https://www.dihk.de/de/newsroom/eu-indien-zwei-milliarden-gruende-fuer-ein-mega-handelsabkommen-162992

https://www.freiheit.org/de/indien/geopolitische-dynamik-befluegelt-handelsabkommen-eu-indien

https://static.pib.gov.in/WriteReadData/specificdocs/documents/2025/oct/doc20251011663301.pdf

https://gws-os.com/fileadmin/downloads/GWS-Kurzmitteilung_2025_10.pdf

https://www.iwkoeln.de/presse/interviews/samina-sultan-eu-und-indien-planen-den-befreiungsschlag.html

https://www.bmz.de/de/aktuelles/aktuelle-meldungen/handelsabkommen-zwischen-der-eu-und-indien-283142

https://www.ihk.de/koblenz/downloads/neuer-inhalt1-quartal/januar/thema-der-woche4-6940936

https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/en/qanda_26_185/QANDA_26_185_EN.pdf

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