Der Emissionskurs ist der Preis, zu dem neu ausgegebene Wertpapiere erstmals Investoren angeboten werden. Er wird auch Ausgabekurs oder Emissionspreis genannt. Besonders betrifft dies Aktien und Anleihen, die von Unternehmen, Banken oder dem Staat neu auf den Markt gebracht werden.
- Emissionskurs: Definition und Erklärung des Wirtschaftsbegriffs
- Wie wird der Emissionskurs von Aktien und Anleihen festgelegt?
- Preisfindung beim Börsengang und bei neuen Aktien
- Bookbuilding, Festpreisverfahren und Auktion
- Ausgabekurs bei Anleihen: pari, Agio und Disagio
- Bedeutung des Emissionskurses für Anleger und Emittenten
- FAQ
- Was ist der Emissionskurs?
- Was ist der Unterschied zwischen Emissionskurs und Börsenkurs?
- Wie wird der Emissionskurs bei einem Börsengang festgelegt?
- Was bedeutet Bookbuilding beim Emissionskurs?
- Welche Verfahren zur Preisfindung gibt es neben dem Bookbuilding?
- Darf eine Aktie unter ihrem Nennwert ausgegeben werden?
- Was bedeuten pari, Agio und Disagio bei Anleihen?
- Wie beeinflussen Agio und Disagio die Emissionsrendite einer Anleihe?
- Was ist ein Zeichnungsgewinn?
- Welche Folgen hat ein zu hoch oder zu niedrig angesetzter Emissionskurs?
- Wer trägt das Platzierungsrisiko bei einer Emission?
- Warum ist der Emissionskurs für die Kapitalrücklage einer Aktiengesellschaft wichtig?
- Was sollten Anleger vor der Zeichnung neuer Wertpapiere prüfen?
Der Emissionskurs gehört zum Primärmarkt. Dort fließt das Geld der Anleger direkt an den Emittenten, zum Beispiel an ein Unternehmen. Nach der Ausgabe können die Wertpapiere an der Börse gehandelt werden. Angebot und Nachfrage bestimmen dann den aktuellen Börsenkurs.
Ausgabekurs und Nennwert sind nicht immer gleich. Zum Beispiel kann eine Aktie mit einem Nennwert von 5 Euro zu 20 Euro ausgegeben werden. Ein höherer Emissionspreis spiegelt die erwartete Ertragskraft und die Nachfrage wider.
Wer den Emissionskurs festlegt, hängt von der Emissionsart ab. Emittenten bestimmen ihn oft gemeinsam mit Konsortialbanken oder lassen ihn durch ein Nachfrageverfahren ermitteln. Für Anleger ist dieses Wissen wichtig, da der Ausgabekurs die erste Bewertung einer Anlage beeinflusst.
Bei Investmentzertifikaten spricht man meist vom Ausgabepreis. Die wirtschaftliche Erklärung ist jedoch gleich: Es ist der Preis beim ersten Erwerb eines neu aufgelegten Wertpapiers.
Die wichtigsten Punkte zum Emissionskurs
- Der Emissionskurs ist der erste Preis eines neu ausgegebenen Wertpapiers.
- Synonyme sind Ausgabekurs und Emissionspreis.
- Er gilt insbesondere für Aktien und Anleihen auf dem Primärmarkt.
- Der Kurs kann über oder unter dem Nennwert liegen.
- Emittent und Konsortialbanken bestimmen den Preis häufig gemeinsam.
- Für Anleger ist der Emissionskurs eine wichtige Grundlage für die Bewertung einer Neuemission.
Emissionskurs: Definition und Erklärung des Wirtschaftsbegriffs
Die Emissionskurs Definition beschreibt den Preis, den Ersterwerber beim Kauf eines Wertpapiers zahlen. Dieser Begriff betrifft neue Aktien, Anleihen und Fondsanteile. Der Emittent legt den Betrag vor dem Verkaufsstart fest oder ermittelt ihn im gewählten Verfahren.
Dieser Wert ist klar vom späteren Börsenkurs zu unterscheiden. Der Börsenkurs entsteht nach Handelsbeginn am Sekundärmarkt durch Angebot und Nachfrage. Marktlage, Bonität des Emittenten und Anlegerinteresse beeinflussen ihn.
In Deutschland gilt bei Aktien nach § 9 Absatz 1 AktG das Verbot der Unterpariemission. Nennwertaktien dürfen daher nicht unter ihrem Nennwert ausgegeben werden. Eine Ausgabe zum Nennwert oder mit einem Aufschlag ist zulässig.
Bei Anleihen sind drei Varianten möglich: Der Ausgabepreis kann dem Nennwert entsprechen, darüber liegen oder darunter angesetzt sein. Dieses Wissen hilft, Kosten, Renditen und Einstiegspreise bei Neuemissionen besser zu verstehen.
Wie wird der Emissionskurs von Aktien und Anleihen festgelegt?
Der Emissionskurs wird vor der Ausgabe eines Wertpapiers festgelegt. Er verbindet die Erwartungen des Emittenten mit der Nachfrage am Kapitalmarkt.
Der Preis beeinflusst, wie viel Kapital dem Unternehmen zufließt. So bestimmt der Emissionskurs den finanziellen Erfolg der Ausgabe.
Preisfindung beim Börsengang und bei neuen Aktien
Bei Aktien sind Unternehmensbewertung, Ertragskraft und Branchenvergleichswerte entscheidend. Auch das Rating und Gespräche mit institutionellen Investoren auf Roadshows fließen ein.
Der Emissionspreis wird zwischen Verkäufer- und Käuferinteressen ausgehandelt. Emittenten streben meist einen hohen Preis an, während Anleger einen niedrigeren Einstiegskurs bevorzugen.
So bietet der Ausgabekurs Chancen auf Wertzuwachs. Deshalb ist er ein zentraler Punkt bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen.
Bookbuilding, Festpreisverfahren und Auktion
In Deutschland ist das Bookbuilding das wichtigste Verfahren. Investoren melden, welche Stückzahl sie zu welchem Preis kaufen würden.
Das Orderbuch zeigt, bei welchem Kurs Angebot und Nachfrage zusammenpassen. Bei großen Zeichnungen kann der Emittent einzelne Interessenten erkennen.
Dadurch lässt sich die spätere Eigentümerstruktur besser berücksichtigen. Das WIKI zum Thema Kapitalmarkt definiert diesen Prozess als Sammlung und Auswertung von Zeichnungsaufträgen.
- Beim Festpreisverfahren vereinbaren Emittent und Konsortialbank den Preis vorab.
- Bei einer Auktion entsteht der Kurs aus den vorliegenden Geboten am Emissionstag.
- Beim amerikanischen Tender zahlen erfolgreiche Bieter ihren individuellen Gebotspreis.
- Beim holländischen Tender gilt für alle Zuteilungen ein einheitlicher markträumender Kurs.
Ausgabekurs bei Anleihen: pari, Agio und Disagio
Bei Anleihen wird der Ausgabekurs in Prozent des Nennwerts angegeben. Eine Emission zu pari liegt bei 100 Prozent des Nennwerts.
Ein Agio bedeutet einen Preis über dem Nennwert, ein Disagio einen Preis darunter. Bei festem Nominalzins und gleicher Laufzeit verändert der Ausgabekurs die Emissionsrendite.
Ein Agio senkt die Rendite bei Ausgabe, ein Disagio erhöht sie. Später richtet sich die Rendite am Sekundärmarkt nach dem jeweiligen Börsenkurs.
| Ausgabeform | Kurs zum Nennwert | Wirkung auf die Emissionsrendite |
|---|---|---|
| Pari | 100 Prozent des Nennwerts | Rendite entspricht bei gleicher Laufzeit dem Nominalzins |
| Agio | Über 100 Prozent des Nennwerts | Rendite liegt unter dem Nominalzins |
| Disagio | Unter 100 Prozent des Nennwerts | Rendite liegt über dem Nominalzins |
Bedeutung des Emissionskurses für Anleger und Emittenten
Der Emissionskurs bestimmt das Platzierungsvolumen und somit den Erfolg einer Emission. Ein zu hoher Preis kann die Nachfrage nach Aktien oder Anleihen mindern. Dagegen löst ein zu niedriger Preis oft eine Überzeichnung aus. Dieses Wissen hilft, die Interessen von Unternehmen, Banken und Investoren besser zu verstehen.
Bei Unter- oder Überzeichnung lässt sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nicht nur durch den Preis regeln. Das Platzierungsrisiko trägt der Emittent, insbesondere wenn Banken das Finanzkommissionsgeschäft nutzen. Im Underwriting übernimmt meist ein Bankenkonsortium dieses Risiko. Der Emissionskurs liegt bei bereits gehandelten, gleich ausgestatteten Aktien normalerweise nicht über dem Börsenkurs.
Die Differenz zwischen Ausgabepreis und erster Börsennotiz nennt man Zeichnungsgewinn oder -verlust. Ein schneller Zeichnungsgewinn erklärt jedoch nicht langfristig steigende Kurse. Für fundiertes Anlegerwissen sind auch Bewertung, Ertragsaussichten, Geschäftsmodell und Risiken am Sekundärmarkt wichtig.
Bei Aktien fließt ein Agio zusätzlich zum Grundkapital in die Kapitalrücklage – gemäß § 272 Absatz 2 HGB. Ein hoher Ausgabekurs bei Anleihen erhöht die Liquidität des Schuldners. Hingegen verursacht ein Disagio Zinsaufwand. Der Nominalbetrag steigert außerdem das Fremdkapital laut § 266 Absatz 3 Buchstabe C Nummer 1 HGB.
FAQ
Was ist der Emissionskurs?
Der Emissionskurs ist der Preis, zu dem ein Emittent neue Wertpapiere erstmals Investoren anbietet. Er wird auch Ausgabekurs oder Emissionspreis genannt. Er gilt etwa für Aktien und Anleihen auf dem Primärmarkt.
Was ist der Unterschied zwischen Emissionskurs und Börsenkurs?
Der Emissionskurs gilt bei der Erstausgabe eines Wertpapiers. Der Börsenkurs bildet sich nach Handelsstart am Sekundärmarkt durch Angebot und Nachfrage. Beide Preise können deutlich voneinander abweichen.
Wie wird der Emissionskurs bei einem Börsengang festgelegt?
Bei einem Börsengang berücksichtigen Emittent und Konsortialbanken Unternehmensbewertung, Ertragsaussichten, Kennzahlen und das Marktumfeld.
Vergleichsunternehmen und die Nachfrage institutioneller Anleger während Roadshows beeinflussen ebenso maßgeblich die Preisfindung.
Was bedeutet Bookbuilding beim Emissionskurs?
Beim Bookbuilding geben Investoren an, wie viele Aktien sie zu welchem Preis erwerben möchten. Aus diesen Geboten entsteht ein Orderbuch. So wird der Emissionskurs festgelegt, dass Angebot und Nachfrage ausgewogen zusammenkommen.
Welche Verfahren zur Preisfindung gibt es neben dem Bookbuilding?
Beim Festpreisverfahren legen Emittent und Konsortialführer den Ausgabekurs vor Beginn der Zeichnungsfrist fest. Beim Auktionsverfahren ergibt sich der Preis aus den eingegangenen Orders.
Beim amerikanischen Tender zahlen erfolgreiche Bieter ihre individuellen Gebotspreise. Beim holländischen Tender gilt ein einheitlicher markträumender Kurs.
Darf eine Aktie unter ihrem Nennwert ausgegeben werden?
Nein. In Deutschland gilt für Nennwertaktien das Verbot der Unterpariemission gemäß § 9 Absatz 1 AktG. Eine Ausgabe zum Nennwert ist erlaubt, der Emissionskurs darf aber über dem Nennwert liegen.
Was bedeuten pari, Agio und Disagio bei Anleihen?
Eine Anleihe wird zu pari ausgegeben, wenn Emissionskurs und Nennwert gleich sind. Ist der Ausgabekurs höher, spricht man von Agio. Liegt der Kurs unter dem Nennwert, handelt es sich um ein Disagio.
Wie beeinflussen Agio und Disagio die Emissionsrendite einer Anleihe?
Ein Agio senkt die Emissionsrendite, weil Anleger mehr als den Nennwert zahlen. Ein Disagio erhöht die Rendite, da der Erwerb unter dem Nennwert erfolgt. Dies gilt bei gleichem Nominalzins und gleicher Laufzeit.
Was ist ein Zeichnungsgewinn?
Ein Zeichnungsgewinn entsteht, wenn der Kurs bei der Erstnotiz über dem Emissionskurs liegt. Fällt der erste Börsenkurs darunter, spricht man von Zeichnungsverlust.
Ein kurzfristiger Zeichnungsgewinn ist allerdings keine verlässliche Prognose für die spätere Kursentwicklung.
Welche Folgen hat ein zu hoch oder zu niedrig angesetzter Emissionskurs?
Ein zu hoher Emissionskurs kann verhindern, dass alle Wertpapiere platziert werden. Ein zu niedriger Preis erhöht das Risiko einer Überzeichnung. Dabei übersteigt die Nachfrage das Angebot. Anleger erhalten oft nur eine teilweise Zuteilung.
Wer trägt das Platzierungsrisiko bei einer Emission?
Beim Finanzkommissionsgeschäft trägt grundsätzlich der Emittent das Risiko einer unvollständigen Platzierung. Beim Underwriting übernimmt oft das Bankenkonsortium dieses Risiko, indem es nicht platzierte Wertpapiere selbst übernimmt.
Warum ist der Emissionskurs für die Kapitalrücklage einer Aktiengesellschaft wichtig?
Wird eine Aktie über ihrem Nennwert ausgegeben, fließt der übersteigende Betrag als Agio in die Kapitalrücklage. Nach § 272 Absatz 2 HGB ist dieses Agio dort auszuweisen. Es stärkt das Eigenkapital neben dem Grundkapital.
Was sollten Anleger vor der Zeichnung neuer Wertpapiere prüfen?
Anleger sollten den Ausgabekurs nicht isoliert bewerten. Wichtig sind Unternehmensbewertung, Geschäftsmodell, Ertragsaussichten, Verschuldung, Risiken und das Marktumfeld. Bei Anleihen zählen auch Bonität, Laufzeit, Nominalzins und Emissionsrendite zu den wichtigsten Kriterien.

