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Analysen & Hintergründe

IW hebt Wachstumsprognose für 2026 auf knapp 1,2 Prozent an – die Erholung bleibt schmal

Jens Schumacher - DAPD
Zuletzt aktualisiert: 22. September 2026 9:55
Jens Schumacher - DAPD
Vor 14 Stunden
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IW hebt Wachstumsprognose für 2026 auf knapp 1,2 Prozent an – die Erholung bleibt schmal
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Mithilfe von KI erstellt

Inhaltsverzeichnis
  • Warum Jahresprognose und schwächerer Sommer zusammenpassen
  • Niedrigwasser belastet die Industrie vorübergehend
    • Großaufträge tragen nicht die gesamte Industrie
  • Öffentliche Investitionen stützen, private Nachfrage bremst
  • Hintergrund
  • Der Konsum bleibt der Prüfstein
  • Impulse sind nicht mit Unternehmensgewinnen gleichzusetzen

Das starke erste Halbjahr hebt den erwarteten Jahresdurchschnitt deutlich an. Die für den Sommer erwartete Abschwächung zeigt jedoch, dass Konsum, private Investitionen und weite Teile der Industrie noch keinen selbsttragenden Aufschwung bilden.

Das Institut der deutschen Wirtschaft erwartet mit Prognosestand September 2026, dass Deutschlands reales Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr um knapp 1,2 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2025 wächst. Zuvor hatte das IW mit 0,4 Prozent gerechnet. Zugleich geht die Deutsche Bundesbank für das im September noch laufende dritte Quartal nur von einer leichten, saisonbereinigten Expansion aus. Für Unternehmen, Beschäftigte und Finanzpolitik ist diese Unterscheidung entscheidend: Die höhere Jahresprognose beruht wesentlich auf dem starken ersten Halbjahr und beschreibt nicht die aktuelle Geschwindigkeit der Konjunktur.

Die Kernaussage lautet deshalb: Deutschland dürfte 2026 stärker wachsen als zunächst erwartet, doch die Erholung bleibt nach Branchen und Nachfragekomponenten ungleich verteilt. Exporte und staatliche Impulse heben die Gesamtleistung. Hohe Energiekosten, schwache private Investitionen und ein verhaltener Konsum begrenzen dagegen die Tragfähigkeit des Aufschwungs.

Warum Jahresprognose und schwächerer Sommer zusammenpassen

Die Jahreswachstumsrate vergleicht die durchschnittliche Wirtschaftsleistung aller vier Quartale 2026 mit dem Durchschnitt des Vorjahres. Ein kräftiges erstes Halbjahr kann diese Rate deutlich anheben, auch wenn die Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf nur langsam wächst. Die knapp 1,2 Prozent sind deshalb weder eine Quartalsrate noch ein Maß für die Dynamik am Jahresende.

Nach Einschätzung des IW trugen vor allem stärkere Exporte und staatliche Ausgaben im ersten Halbjahr zur Aufwärtskorrektur bei. Ein Teil des Exportzuwachses dürfte auf vorübergehende Lagereffekte zurückgehen und sich deshalb nicht in gleicher Stärke fortsetzen. Das Institut rechnet für 2026 mit einem realen Exportplus von 2,8 Prozent und einem Importzuwachs von 2,0 Prozent, jeweils gegenüber dem Vorjahr.

Die Bundesbank erwartete in ihrem Monatsbericht vom September für das noch nicht abgeschlossene dritte Quartal lediglich einen leichten Anstieg des realen BIP gegenüber dem Vorquartal. Diese Prognose widerspricht dem höheren Jahreswert nicht. Sie zeigt aber, dass ein erheblicher Teil des erwarteten Wachstums bereits im ersten Halbjahr entstanden ist.

Niedrigwasser belastet die Industrie vorübergehend

Das seit Juli beobachtete Niedrigwasser auf dem Rhein beeinträchtigte den Transport von Rohstoffen und Industrieprodukten. Schiffe konnten weniger laden, die Transportkosten stiegen und Lieferungen verzögerten sich. Nach Angaben der Bundesbank waren davon unter anderem Chemie, Metallerzeugung sowie Kokerei und Mineralölverarbeitung betroffen.

Produktion und Umsätze der Industrie sanken im Juli 2026 saisonbereinigt deutlich gegenüber dem Vormonat und dem vorherigen Quartal. Auch die preisbereinigten Warenexporte gingen gegenüber Juni merklich zurück und blieben unter dem Durchschnitt des zweiten Quartals. Diese gemessenen Juli-Daten sind von der Prognose für das gesamte dritte Quartal zu unterscheiden.

Ein Teil der Belastung dürfte zeitlich begrenzt sein. Normalisieren sich die Pegelstände, können Transporte wieder ausgeweitet und einzelne Produktionsausfälle möglicherweise nachgeholt werden. Die Bundesbank hält deshalb im vierten Quartal eine stärkere Expansion für möglich. Das bleibt eine Prognose und hängt auch von den Energiepreisen sowie geopolitischen Risiken ab.

Großaufträge tragen nicht die gesamte Industrie

Die industriellen Auftragseingänge legten im Juli zwar kräftig zu. Laut Bundesbank beruhte der Anstieg jedoch stark auf Großaufträgen, insbesondere im sonstigen Fahrzeugbau, zu dem auch wichtige Teile der Rüstungsindustrie zählen. Ohne Großaufträge gingen die Bestellungen den vierten Monat in Folge zurück.

Großprojekte können einzelnen Standorten und Zulieferern über längere Zeit Arbeit sichern. Sie belegen aber noch keine breit angelegte Erholung des Verarbeitenden Gewerbes. Dafür müssten auch regelmäßig eingehende Bestellungen für Maschinen, Vorprodukte und Konsumgüter nachhaltig anziehen.

Öffentliche Investitionen stützen, private Nachfrage bremst

Die lockerere Fiskalpolitik verlagert die Wachstumskräfte stärker zum Staat. Zusätzliche Infrastrukturinvestitionen dürften insbesondere den Tiefbau stützen. Die Bauproduktion stieg im Juli gegenüber dem besonders schwachen Vormonat deutlich und erreichte wieder ungefähr das mittlere Niveau des zweiten Quartals.

Der staatliche Impuls wirkt jedoch nicht automatisch in voller Höhe auf die reale Produktion. Sind Bauunternehmen, Planungsbüros oder Zulieferer bereits stark ausgelastet, können zusätzliche Aufträge zunächst längere Wartezeiten und höhere Preise auslösen. Wie groß der Wachstumseffekt wird, hängt daher davon ab, wann Projekte genehmigt, umgesetzt und abgerechnet werden.

Im Wohnungsbau bremsen weiterhin hohe Finanzierungskosten und steigende Baukosten. Auch andere private Investitionen bleiben belastet: Höhere Zinsen verteuern Maschinen und Produktionsanlagen, während eine geringe Kapazitätsauslastung den Bedarf an Erweiterungen mindert. Unternehmen könnten Vorhaben deshalb verschieben, bis Nachfrage und Kosten besser kalkulierbar sind.

Hintergrund

Export, Staatsausgaben, Investitionen und privater Konsum wirken auf unterschiedliche Weise auf das Bruttoinlandsprodukt. Ein Exportanstieg erhöht zunächst die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, sagt aber für sich genommen wenig über Gewinne und Margen der beteiligten Unternehmen aus. Hohe Energie-, Material- oder Finanzierungskosten können steigende Erlöse teilweise oder vollständig aufzehren.

Auch staatliche Ausgaben benötigen Zeit. Zwischen der Bereitstellung öffentlicher Mittel und der tatsächlichen Bauleistung liegen Planung, Ausschreibung, Genehmigung und Umsetzung. Ein mehrjähriges Infrastrukturprogramm kann deshalb die Auftragslage stabilisieren, ohne die Wirtschaftsleistung sofort im gleichen Umfang zu erhöhen.

Der Konsum bleibt der Prüfstein

Das IW erwartet für 2026 lediglich 0,3 Prozent Wachstum beim privaten Konsum. Zugleich prognostiziert das Institut eine Inflation von mehr als 2,5 Prozent. Steigende Verbraucherpreise schwächen die reale Kaufkraft allerdings nur dann, wenn verfügbare Einkommen und Löhne nicht mindestens entsprechend zulegen. Entscheidend sind daher Reallöhne, Beschäftigung und die Sparneigung der Haushalte.

Der Arbeitsmarkt lieferte im Sommer noch kein klares Entspannungssignal. Die Zahl der Erwerbstätigen sank im Juli saisonbereinigt um 14.000 auf 45,66 Millionen. Der Rückgang konzentrierte sich nach Angaben der Bundesbank vor allem auf ausschließlich geringfügig Beschäftigte und Selbstständige; Frühindikatoren deuteten zugleich auf eine mögliche Stabilisierung hin.

Impulse sind nicht mit Unternehmensgewinnen gleichzusetzen

Exporte, Großaufträge und öffentliche Infrastrukturmittel stützen bestimmte Wirtschaftsbereiche. Daraus lässt sich jedoch keine pauschale Aussage über Gewinner ableiten. Ob einzelne Unternehmen profitieren, hängt neben ihrer Auftragslage von Kosten, Margen, Finanzierung und verfügbaren Kapazitäten ab. Unter besonderem Druck stehen weiterhin energieintensive Betriebe, der Wohnungsbau und Unternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf.

Die höhere IW-Prognose signalisiert somit eine robustere Wirtschaftsleistung als noch im Frühjahr erwartet, aber kein Ende der Wachstumsschwäche. Für eine dauerhafte Erholung müssten industrielle Bestellungen breiter zulegen, private Investitionen wieder anziehen und die verfügbaren Einkommen den Konsum stärker tragen. Bleiben diese Impulse aus, dokumentiert das Jahresplus von 2026 vor allem das starke erste Halbjahr, während die wirtschaftliche Grundgeschwindigkeit niedrig bleibt.

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